Frauen im Nationalsozialismus/ II. Weltkrieg




Eigentlich wollte ich im November 1998 "nur" eine frauennews-site zum Thema "Zwangsprostitution" erstellen. Und damit begann für mich die Arbeit an den sehr umfangreichen, komplexen Themen "Gewalt gegen Frauen als Kriegsmittel" und "Frauen im Nationalsozialismus/ II. Weltkrieg". Obwohl ich, wie ich meinte, durch meine Schulzeit ausführlich über den Nationalsozialismus aufgeklärt war, entdeckte ich nun, etliche Jahre später, das Thema für mich ganz neu: Einmal wegen meinem jetzigen Lebensalter und zum anderen, weil ich mich nun bei den Recherchen hauptsächlich auf die Situation und Handlungsräume der Mädchen und Frauen in der NS-Zeit konzentrierte. Nicht zuletzt unfaßbar war für mich die Erkenntnis über das Ausmaß der Verstrickung von politischen und (klassen-)gesellschaftlichen Interessen: die strafrechtliche Ahndung der NS- KriegsverbrecherInnen (wenn überhaupt durchgeführt) stand in keinem Verhältnis zu deren überdimensionierten Morden und Verbrechen.

Die nun erstellten Seiten können in diesem Rahmen (frauennews ist private, unbezahlte Arbeit) nicht das komplexe Thema "Nationalsozialismus", selbst nicht mit der Focusierung auf eine Hälfte der Bevölkerung, vollständig erhellen oder erklären. Nicht umsonst sind eine Menge Bücher zu diesem Thema verfaßt worden. (Die historische Forschung, speziell heutzutage von Frauen über Frauen, läuft in dieser Hinsicht gerade auf Hochtouren. Sie eröffnet immer spannendere und neu zu diskutierende Aspekte.) Die Seiten sollen aber einen Einblick und Denkansätze bieten und eine Neugier, ein Bewußtsein fördern über unsere Geschichte und unsere Gegenwart.

In der Nachkriegszeit kamen die Männer der Geschichtswissenschaft nicht auf die Idee, das weibliche Geschlecht anders als als Opfer und Statistinnen im NS-System zu sehen. Vielen MitTäterinnen kam das sehr gelegen, brachte es ihnen doch direkte Vorteile. So kam es, daß die historische Frauenforschung auf »ihre« "Täterinnen" bestehen mußte. Die Historikerinnen machten die Verantwortung der Frauen sichtbar, wobei in der ersten Forschungsphase die Unterteilung in "Verfolgte" und "Nicht- Verfolgte" dominierte. Historikerinnen gingen so weit, alle deutschen, "arischen", nicht-verfolgten Frauen generell als direkte oder indirekte MitTäterinnen zu bezeichnen. Aber diese Einteilung war zu wenig differenziert. Und so befaßten sich neuere historische Frauenstudien anschließend zum Beispiel mit einzelnen Berufsgruppen und -karrieren von Frauen im NS-System (verdeutlicht am Wohlfahrtswesen und in den SS- und KZ-Apparaten), mit den vorsätzlichen Informantinnen und Denunziantinnen sowie mit dem ebenfalls spannenden Thema der "Profitlerinnen" - Frauen, die durch die Enteignung, Vertreibung und der Vernichtung jüdischer und nicht-jüdischer Menschen profitierten.

Ich bin noch neugierig auf Studien über
- die doch vereinzelt vorgekommenen Verweigerungen von SS- Angehörigen
- den Verlauf unseres Umgangs mit unserer Geschichte
- die "Spätfolgen" des Nationalsozialismus. Inwieweit wirkt der Nationalsozialismus auch heute noch nach in Rassismus, Sexismus, Faschismus, aber auch in unserer Erziehung, in unserem Alltag, in unseren Familien.
Ja, auch ich möchte (wie die US-Amerikanerinnen im Internet) heute eigentlich am liebsten alle alten Menschen fragen: Was hast Du damals gemacht im II. Weltkrieg?



Die Rolle der Frauen während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist sehr vielschichtig.
Zwischen schwarz-weiß, zwischen "ausschließlich Täterin" und Opfer liegt eine komplexe Bandbreite. Eine erste Einteilung in Täterinnen und Opfer ermöglicht es anschließend, sich die "graue Zone dazwischen" zu erschließen.

Um die komplexe Situation von Frauen anzudeuten, in der sie sich mit Beginn des Nationalsozialismus befanden, sei folgende Aufschlüsselung versucht:


Die persönliche Situation

- Alter
- Bildung
- Verantwortung für ein oder mehrere Kinder
- sexuelle Orientierung (heterosexuell, lesbisch, bisexuell)
- religiöse Einstellung
- Ehen mit Männern, die als "nicht-arisch" galten oder die im SS-System oder im Widerstand integriert waren
- nicht-/verwandtschaftliche Beziehungen, Erlebnisse, Erfahrungen, Abhängigkeiten

Die gesellschaftliche Situation
- Gesetzliche Reglementierung durch das NS-Regime
- Organisationsbildung
- Karrieren in den NS-Organisationen
- "Gruppenzwang", soziale Kontrolle, kultiviertes "Gemeinschaftsleben"

Die materielle Situation

- Schichtzugehörigkeit
- die "Profitlerinnen", die an Vertreibung/ Vernichtung verdienten (Wohnungen, ZwangsarbeiterInnen als Arbeitskräfte erhielten)
- eigene Arbeitslosigkeit oder des Partners

Die berufliche Situation
- Berufskarrieren von Frauen im NS-Wohlfahrtswesen, im SS-Apparat, im KZ-System
- weibliche Angestellte im öffentlichen Dienst, in den Behörden, Betrieben, Dienstleistungsfirmen
- Arbeiterin
- Arbeitslosigkeit

Die eigene ideologische Situation
- Vertreterinnen der traditionellen, bürgerlichen "alten" Frauenbewegung
- Verfechterinnen der "NS-Mutterschaftsideologie"
- Verfechterinnen der "NS-Opferideologie"
- Sozialdemokratinnen
- Sozialistinnen
- Kommunistinnen
- Nationalsozialistinnen
- nationalsozialistische Jüdinnen
- assimilierte Jüdinnen
- Nicht-Nationalsozialistinnen
- Unpolitische

Die Zuweisung durch das NS-Regime
- nach "Rasse" als "Arierin", "Nicht-Arierin", Jüdin, Halbjüdin...
- Asoziale, Unwerte...
 
Opferfrauen

die mittelbar und unmittelbar ermordeten Frauen, wie die Häftlingsfrauen in den Konzentrationslagern

Zwangsarbeiterinnen

Zwangssterilisierte Frauen

Vergewaltigte Frauen

die in den Selbstmord getriebenen Frauen

Frauen, die durch Haft, Leid und Gewalt in den "Wahnsinn" getrieben wurden

physisch und psychisch mißhandelte Frauen

kriegstraumatisierte Frauen

Flüchtlingsfrauen

Emigrantinnen

Überlebende

nachkommende Generationen
der Holocaust- Betroffenen

besitzlos gewordene Frauen




Widerstandsfrauen und Oppositionsfrauen




Verbrechensbeteiligte Frauen




Umfangreiche Literatursammlung


Frauen im Nationalsozialismus (mit Texten von Annette Kuhn, Helga Grebing und Christl Wickert)
Die Repression der Frau im Nationalsozialismus von Sabrina Ortmann
Women And The Holocaust von Judy Cohen
Women at War von Dr. Kaylene Hughes
What Did You Do in the War, Grandma?: Women and World War II
Women Come to the Front Journalists, Photographers...
A People at War: Women Who Served
The Women's Army Corps: A Commemoration of World War II Service von Judith A. Bellafaire
 
ShoaNet Umfangreiches Informationsangebot von Bettina Brenner
Shoah-Projekt
Erziehung nach Ausschwitz
Simon Wiesenthal Center
Holocaust Pictures Exhibition












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